Entschieden …

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… haben wir uns dafür, nach 1007 km radeln einfach stehenzubleiben, die Seele nachkommen zu lassen und ein paar Tage einfach am Strand abzuhängen. Und genau so haben wir es dann auch in Hou, einem kleinen Ort in Ostjütland gemacht. Wir sind einfach geblieben und nicht mehr weitergefahren. Das Ende der Fortbewegung war schon beschlossene Sache, da uns unser Sohn Jannis hier in Dänemark abholt und er nur noch bis Anfang nächster Woche Zeit hat. Das Ende des Reisens ist sicher noch lange nicht abgeschlossen.

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Zum einen merken wir, dass wir, dass wir noch gar nicht bereit sind, nach Hause zu kommen und wir es uns zum Beispiel noch gar nicht vorstellen können, wieder in einem Gebäude zu schlafen und zu leben. Durch unsere Form des Reisens haben wir uns jetzt seit fast drei Monaten fast nur draußen aufgehalten und es auch genossen. In unserem „normalen“ Leben spielte sich auf jeden Fall viel zu viel drinnen ab und zu wenig draußen, vieles ist zu statisch und es fehlt an Bewegung.

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Das sind nur ein paar zusammenfassende Gedanken zu unserem Reisen. Die letzten Tage haben wir angefangen einiges gemeinsam zu resümieren und werden dies sicherlich in den kommenden Tagen noch intensivieren, um die Reise auch innerlich abzuschließen und nicht nur ausklingen zu lassen. Unsere Resümees werden wir hier auch mit unseren Lesen teilen.

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(Bild: aus „Der Schmetterling“ von Hans Christian Andersen)

Ein Punkt, der uns auf jeden Fall wichtig geworden ist: das Schubladendenken, mit dem wir uns zwar Orientierung schaffen, das uns aber auch Vieles verschließt, aufzubrechen. Auf dieser Reise haben wir es mehrfach erlebt, dass wir Menschen manchmal zuerst aufgrund ihres Aussehens, Verhaltens oder Besitzes/Fahrzeuges einsortiert haben, um später festzustellen: „Oh der/die ist ja ganz anders. Das hätte ich ja nicht gedacht.“ Manchmal waren wir danach regelrecht beschämt. Wie wäre es, wenn alle Autos keine Kennzeichen hätten? Man würde auf einem Campingplatz nicht mehr sagen können, „dahinten steht schon wieder ein Holländer“ oder „ach, typisch dänisch“. Da wir auf unseren Rädern weder Kennzeichen noch eine Deutschlandfahne haben, sind wir für viele erstmal „nur“ Radfahrer und werden in der Landessprache, in der wir uns gerade aufhalten, angesprochen. Dann erst gibt es die Länderkategorie. Das hat uns schon einige spannende Gespräche eingebracht. Ich glaube, dass wir natürlich schon auch „typisch“ deutsch sind und gewisse Vorurteile erfüllen, merken aber auch, wie viel Begegnung stattfinden kann, wenn wir uns gegenseitig unvoreingenommen Raum lassen.

Viele andere Dinge sind uns auch auf der Reise wichtig geworden, über die wir in den nächsten Blogs schreiben werden.

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Und noch sind wir ja nicht zuhause, sondern an diesem wunderbaren, dänischen sommerlichen Strand, können noch ein paar Mal vor dem Frühstück ins Meer springen und unseren Frühstückskaffee unter freiem Himmel genießen. Das “Jetzt“ ist ja das, was wir (er)leben und in dem wir das Schöne entdecken können. Jammern über die Vergangenheit und Sorgen über die Zukunft, macht uns nicht glücklicher. Wir müssen immer unser „Jetzt“ gestalten und formen. Manchmal müssen wir auch einfach losgehen, damit sich etwas verändert, etwas in uns verändert oder wir uns verändern.

So wie das Volk Israel nach der Wüstenwanderung bei der Einnahme des versprochenen Landes auch erst ins Wasser des Jordans schreiten musste, bevor Gott das Wunder geschehen ließ und das Wasser staute, wodurch alle den Fluss unbeschadet überqueren konnten. Es war nicht so, dass sie zweifelnd am Ufer standen und warteten, bis alle Sorgen diskutiert und beseitigt waren und Gott das Wasser teilte. Nein, sie sind im Vertrauen einfach losgelaufen, weil sie wussten, dass es der richtige Weg ist. (vgl. Josua, Kapitel 3)

Bevor wir losfuhren, war auch für uns irgendwann der Punkt erreicht, an dem uns klar wurde: Natürlich gibt es immer noch bessere Equipment, wir wissen nicht, wie das Wetter wird und wir wissen auch nicht, was aus unserer Hündin Mette wird, aber wir werden jetzt einfach losgehen. Wir werden Dinge zuhause vergessen, uns werden Dinge abhandenkommen oder kaputt gehen, aber davon hängt nicht der „Erfolg“ unserer Tour ab.

Und wir können jetzt schon sagen: Wir sind froh, losgegangen zu sein und können alle Leser dazu ermutigen, Zweifel loszulassen und loszugehen.

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Ein Gedanke zu “Entschieden …

  1. Takk for et veldig hyggelig møte og for flotte artikler (som vi nå kan lese takket være Google Tranlate). Vi gleder oss til å se dere igjen i Norge eller Tyskland (eller aller helst begge deler).

    Vi er nå i Sverige, Torekov. Om noen dager krysser vi sundet tilbake til Danmark og sykler videre til København.

    God tur videre !

    Beste hilsener fra
    Hugo, Emily, Axel, Marie og Jon

    Liken

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