Elgå und defektes Equipment

Nach zwei wunderbaren Tagen bei bestem Sonnenschein zeigte Norwegen uns noch weitere Paletten der Wettervielfalt des nordischen Sommers. Sonnenschein und Hitze kann ja jeder. Am Donnerstag schob sich schon morgens eine dichte Wolkendecke über den Himmel, der wir auch bei schnellstem Pedalritt nicht entfliehen konnten. Netterweise kam der Wind von hinten als wir von Røros nach Synnervika am Nordufer des Femundsees fuhren. Über die Femundsmarka (die Gegend um den Femundsee) könnte man Bücher füllen. Für uns ist es einfach das Zentrum der Regenbogenküche und mit vielen unterschiedlichen Emotionen verbunden. Gemeinsam waren wir schon viele Male hier, unter anderem vor 25 Jahren – im Jahr unserer Hochzeit – als wir mit dem Rad in entgegengesetzte Richtung von Oslo nach Trondheim fuhren. Der Femundsee ist mit 60 km Länge der zweitgrößte See Norwegens und ganz im Osten an der schwedischen Grenze auf 600 m Höhe gelegen – eisfrei ist er ab Anfang Mai. Die Femundsmarka wurde bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Nationalpark erklärt und entsprechend geschützt.

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Als Anja mit unserer Tochter Jolene schwanger war, wurden uns hier erstmals ungewöhnlich viele Regenbögen „geschenkt“. Im Jahr, als sie starb – vor neun Jahren – sind wir mit unseren großen Kindern Jannis und Ammely (und Metti) hier für ein paar Tage wandern gegangen – und bekamen freundlicherweise haufenweise Regenbögen an den Himmel gemalt. Diese Tour tat uns als Familie damals richtig gut. Von dieser Reise nahmen wir einen unbehauenen Felsen mit, der jetzt als Grabstein bei Jolene steht.

In Synnervika wurde das Wetter im Laufe des Nachmittags mit Regen, Sturm und einem Temperatursturz auf 10 Grad immer ungemütlicher und so zogen wir uns frühzeitig ins Zelt zurück, das wir in einem kleinen Wäldchen am Anleger aufgestellt hatten. Am Freitagmorgen blieb es zwar kühl, aber der Regen hat aufgehört. Sicherheitshalber haben wir uns, erstmals auf dieser Reise, den Wecker gestellt, um die Abfahrt der „MS Faemund II“ nicht zu verpassen.

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Die dreistündige Schiffsfahrt nach Elgå über den See war für uns eine angenehme Abwechslung. Auf der Überfahrt kamen wir mit Harald, einem Mitglied der Schiffsbesatzung, ins Gespräch über Fahrradtouren in Deutschland und Norwegen. Da er bald auch in Deutschland unterwegs sein möchte, haben wir ihn gleich zu uns nach Darmstadt eingeladen. Darüber hat er sich sehr gefreut und versprochen uns zu besuchen. Wir sind gespannt.

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In Elgå – wie fast alle Ortsbezeichnungen hat auch Elgå eine Bedeutung: Elg = Elch und å = Fluss, also Elchfluss – haben wir heute den Ruhetag verbracht und genossen. Die Nacht war mit 2 Grad zwar kühl, dafür hat uns die Sonne geweckt und das Zelt recht schnell aufgeheizt. Noah hat sich gedacht, wenn der Ort schon „Elchfluss“ heißt, dann muss man empirisch versuchen herauszufinden, ob Elche bzw. ihre Hinterlassenschaften die Energieprobleme dieser Welt lösen können.

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Unsere Probleme sind im Moment ganz andere: Gestern musste Jörg eine Naht bei seinem Schlafsack nachnähen, vor ein paar Tagen ist die Hülse bei einer Stange des Zeltes angebrochen und wir überlegen, ob bzw. wo wir eine neue Stange bekommen könnten. Aber am meisten Sorgen macht uns eine gebrochene Speiche am Hinterrad vom Pino. Festgestellt haben wir es gestern als wir auf dem Campingplatz angekommen sind, wissen aber nicht genau, wann es passiert ist. Möglicherweise bei Verladen auf dem Schiff. So hoffen und beten wir, dass es erstmal ohne die Speiche geht, da die nächste mögliche Werkstatt eine Tagesreise entfernt liegt und das Pino mit Fahrern und Gepäck immerhin etwa 175 kg wiegt.

Dennoch haben wir den Ruhetag genossen: Nach dem ausgiebigen Frühstück haben wir die Ausstellung im Nationalparkcenter besucht und uns dort mit einem Geografiestudierenden unterhalten. Er ist in Røros aufgewachsen und studiert in Trondheim. Als Ansprechpartner des Centers konnte er uns einige Fragen beantworten. Unter anderem haben wir uns gewundert, dass es dieses Jahr hier keine blühenden oder fruchttragenden Blaubeersträucher gibt, während die Multebeeren schon fast reif sind.

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Er konnte uns erklären, dass es hier in der Gegend dieses Jahr viel zu trocken gewesen ist und auch der warme Mai eine Rolle gespielt hat. Bei unserer anschließenden Wanderung haben wir noch einige weitere Anzeichen der Trockenheit gesehen, die uns Fragen nach dem Klimawandel und seinen Folgen stellen ließ.

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Die Wanderung über die Baumgrenze mit Aussicht über den Femundsee haben wir trotzdem genossen und danach noch im See gebadet – allerdings nur kurz, da er zur 10-Grad-Kategorie gehört. Noah hat Arvid, einen schwedischen Jungen kennengelernt und mit ihm für den Rest des Tages den Campingplatz unsicher gemacht.

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4 Gedanken zu “Elgå und defektes Equipment

  1. Es ist so spannend und lehrreich Eure Berichte zu lesen als würden wir mitreißen. Ich hoffe dass das Rad mit der gebrochen Speiche hält!!! Noch weiter eine glückliche Fahrt wünschen Uschi und Günter.

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    1. Hallo lieber Günter und liebe Uschi, schön, dass wir auf diese Weise noch in Kontakt sind und ihr uns begleitet. Wir haben gedacht, dass wir uns vielleicht irgendwo noch mal über den Weg laufen bzw. fahren. Wer weiß? Wäre auf jeden Fall nett. Gruß Jörg und Anja

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    2. Hallo liebe Uschi und lieber Günter,
      leider haben wir Eure E-Mail Adresse nicht (mehr) vorliegen, darum versuche ich es auf diesem Wege. Ich hoffe, es geht Euch gut und ihr habt wieder neue Reisepläne?! Wir haben jetzt tatsächlich über unsere Reise 2018 ein Buch geschrieben, was unter dem Titel „eigenlich nordwärts“ im September im Buchhandel erscheinen wird. Gerne würde wir auch die kurze aber nachhaltig nette Begegnung mit Euch erwähnen und das Bild, auf dem ihr vor Eurem Wohnmobil steht mit in das Buch nehmen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr damit einverstanden seid. Gerne schicken wir Euch die Passage und das Bild noch einmal vorab zu. Vielleicht könnt Ihr uns noch mal Eure E-Mail-Adresse schicken. Unsere ist: jvarnholt@web.de . Wir würden uns sehr freuen, von Euch zu hören. Ganz liebe Grüße, Anja und Jörg

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  2. Ich kann mich da nur anschließen. Ich lese hier fleißig und extrem neugierig mit und bin schon fast traurig, wenn ich feststellen muss, dass es noch keine neuen Beiträge gibt. Eure Art zu schreiben gefällt mir extrem gut, die Bilder geben einen genialen Einblick in die wunderschöne Gegend und ich bin begeistert und voller Respekt, in welche Tiefen ihr den Leser mitnehmt und einen Einblick in euer Innerstes gebt! Habt eine gesegnete Zeit und lasst euch weiter von Gott reich beschenken!

    Ich freu mich auf weitere Berichte!
    LG

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