Zu viel und zu wenig

Nun sind wir seit gestern auf dem Rad unterwegs. Mit sehr gemischten Gefühlen haben wir Dorina und Jannis auf einem Campingplatz 14 km östlich von Trondheim verabschiedet. Es war schon abends, sehr stürmisch aber zum Glück gerade kein Regen, dennoch wollten wir keine Zeit verlieren, da Dorina und Jannis noch ein gutes Stück fahren wollten. Also wurde es eine „Hausruck“-Aktion: Alles ausladen, Zelt aufbauen, haben wir auch nichts vergessen? Nein, gut, dann Verabschieden. Jannis, als Erlebnispädagoge kommentierte es nur mit: „Na, dann werdet Ihr wohl Eure Komfortzone verlassen.“ Und weg waren sie ….

Wir standen dann da mit einem riesigen Haufen Gepäck, Essen und diversen Krams. Als sie 20 Minuten weg waren merken wir, dass die Spiritusflasche wohl noch im Auto liegt. Naja, können wir nachkaufen oder nur mit Holz kochen. Eine weitere Stunde später stellten wir fest, dass wir auch die Powerbank (extra recherchiert mit sonstwas viel Energie und nur für die Radtour angeschafft) im Bus gelassen haben. Mmmhhh, ein Zeichen? Sollten wir vielleicht analoger unterwegs sein? Nicht mehr bloggen? Auf jeden Fall müssen wir jetzt mit den Energien haushalten – sollte man das nicht immer?

Als wir am nächsten Tag gepackt haben, war schnell klar, dass wir nicht nur Sachen vergessen hatten, sondern auf einmal auch einiges mehr dabei hatten, was wir eigentlich nicht mit dem Rad durch Norwegen fahren wollten: Bücher, Noahs großes Mäppchen zum Basteln, ein paar Klamotten und auch zu viel Essen. Letzteres reduziert sich ja zum Glück im Laufe der Zeit.

Um 12 Uhr ging es dann los und der erste Radeltag gestaltete sich als hart: Von der Küste ging es sehr steil ins Landesinnere. Große Teile der Stecke fuhren wir im ersten Gang und mussten schon teilweise schieben. Dazu kam Wind, der vor allem Noah bei ca. 10 Grad auskühlte und immer wieder leichter Regen. Immerhin fanden wir abends einen passablen Platz für unser Zelt auf einer Landzunge neben der Straße.

Auch Tag zwei war wettermäßig nicht der Hit, aber es gab keine Schiebestrecken mehr. Zwar immer noch viel bergauf aber dafür auch eine lange (kalte) Abfahrt. Der Tag war laune- und kräftemäßig recht gut und wurde noch gekrönt mit einer Elchsichtung und einer warmen Dusche auf dem Campingplatz in Selbu. Elchsichtung klingt etwas distanziert, tatsächlich rannte eine Elchkuh im Galopp über ein Feld und querte etwa zehn Meter vor uns die Straße. Abends kam sogar netterweise die Sonne ein paar Mal raus.

Ach ja, falls sich jemand fragt, wie weit wir denn gekommen sind? Keine Ahnung, da unser Fahrradcomputer nicht in Gang zu bringen war, obwohl er vorher lief. Wieder ein Zeichen?

Gemäß dem Motto, „die Komfortzone zu verlassen“, haben wir uns heute entschieden noch einiges „abzuschmeißen“ und nach Deutschland zu schicken. Wir haben gemerkt, dass wir wirklich nicht viel brauchen.


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